FT8

FT8 ohne Bildschirm: unsere Raspberry-Pi-Station

Wer FT8 macht, kennt das Bild: WSJT-X auf dem Bildschirm, alle 15 Sekunden füllt sich das Decodefenster, man klickt einen CQ-Rufer an, wartet, klickt den nächsten. Dabei trifft man in jeder Minute ein Dutzend kleiner Entscheidungen, ohne es zu merken. Den nicht, der steckt im Pile-up. Den lieber, der ruft schon zum dritten Mal vergeblich. Der hat mich offenbar nicht gehört — weiter. Genau um diese Entscheidungen geht es hier: Wir haben sie einer kleinen Station am Transceiver beigebracht und jede einzelne an den eigenen Verbindungen nachgemessen. Einige Lehrbuchregeln haben das nicht überstanden.

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Teil 1 · Mai: Eine Woche bis zur funktionierenden Station

Eine FT8-Station zu bauen, die dem Operator die Klickarbeit abnimmt, klingt überschaubar: Der Ablauf eines QSOs ist genormt, die Decoder sind frei verfügbar, der Transceiver lässt sich über USB steuern. Nach acht Tagen lief die Station tatsächlich am Mast. Die lehrreichen Erkenntnisse kamen aber nicht aus dem, was funktionierte — sondern aus dem, was wir dabei übersehen hatten.

Die Station wird besetzt betrieben: Ein Funkamateur beaufsichtigt sie und kann sie jederzeit anhalten. Zum rechtlichen Rahmen siehe den Überblick.

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Teil 2 · Juni: Warum wir alles aufschreiben

Im Juni war die Station fertig. Sie funkte, führte QSOs, schrieb ins Logbuch. Was in diesen Wochen dazukam, sah aus wie Beiwerk: die Entscheidung, jeden einzelnen Anrufversuch mitzuschreiben — nicht nur ob er klappte, sondern alles, was man zu dem Zeitpunkt wusste. Diese Entscheidung war die folgenreichste des ganzen Projekts. Und sie brachte drei Monate lang überhaupt nichts.

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Teil 3 · September: Was die Zahlen sagen

Im September wurde die Aufzeichnung zum ersten Mal ernsthaft ausgewertet — damals mit rund 300 Anrufen, inzwischen mit 6742. Was dabei herauskam, war unbequem: Die wichtigste Erkenntnis stellte auf den Kopf, woran zu arbeiten sich überhaupt lohnt. Und eine Zahl aus der ersten Auswertung hielt den größeren Zahlen nicht stand.

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Teil 4 · 12. September: Fünfzehn Fehler — und drei Befunde, die nicht hielten

Teil 3 endete mit einer Beobachtung: Regeln altern, und niemand beschwert sich, wenn ihr Grund weggefallen ist. Wie viele solcher Regeln steckten noch in der Station? Der 12. September war der Versuch, das systematisch herauszufinden. Am Nachmittag kippte die Richtung — da ging es nicht mehr um die Station, sondern um die Zahlen, mit denen wir sie beurteilen.

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Teil 5 · 16. September: Die Station geht ins Netz

Seit Mitte September zeigt die Station, was sie tut: eine Karte mit den Verbindungen der letzten Tage, wer uns gerade wo empfängt, die Zahlen des Tages — und die eingegangenen QSL-Karten. Das Anzeigen war dabei der kleinere Teil. Die eigentlichen Entscheidungen lagen davor: was hinausgeht, was nicht, und welchen Zahlen man trauen darf.

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Teil 6 · Ende September: Der Empfänger, der nichts sagte

Am 28. September brach morgens der Empfang ein. Gegen neun Uhr kamen nur noch ein Zehntel der üblichen Decodes an — und gleichzeitig hörten uns die Gegenstationen laut PSK Reporter ganz normal. Die Ursache war schnell gefunden: Am Transceiver waren Rauschunterdrückung und Störaustaster eingeschaltet. Überraschend war etwas anderes. Nach dem Abschalten hörte die Station nicht wieder so gut wie vorher, sondern fast doppelt so gut wie im Monatsmittel.

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Teil 7 · Oktober: Das zweite Gerät

Am 2. Oktober um 09:28 Uhr ging die letzte Aussendung an eine irische Station hinaus. Eine Sekunde danach war der IC-7300 verschwunden — Steuerung und Ton zugleich, ohne Fehlermeldung, ohne Vorwarnung. Acht Tage lang blieb die Station still. Dann kam ein Ersatzgerät, gleiches Modell, und mit ihm eine Lektion, die Teil 6 schon einmal erteilt hatte: Ein Transceiver kann am Empfang sparen, ohne dass es eine Anzeige verrät.

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