Eine FT8-Station zu bauen, die dem Operator die Klickarbeit abnimmt, klingt überschaubar: Der Ablauf eines QSOs ist genormt, die Decoder sind frei verfügbar, der Transceiver lässt sich über USB steuern. Nach acht Tagen lief die Station tatsächlich am Mast. Die lehrreichen Erkenntnisse kamen aber nicht aus dem, was funktionierte — sondern aus dem, was wir dabei übersehen hatten.

Die Station wird besetzt betrieben: Ein Funkamateur beaufsichtigt sie und kann sie jederzeit anhalten. Zum rechtlichen Rahmen siehe den Überblick.

8 Tagevom leeren Raspberry Pi bis zum ersten QSO am Mast
7Prüfungen vor jedem einzelnen Sendedurchgang, zweimal pro Minute
23Länder, in denen Klasse E funken darf — und die eine geratene Tabelle verschwieg

Das Handwerk hinter 15 Sekunden

FT8 ist gnadenlos pünktlich. Jede Viertelminute beginnt ein Durchgang, die Aussendung startet eine halbe Sekunde danach und dauert 12,6 Sekunden. Wer im nächsten Durchgang antworten will, muss sich entscheiden, bevor der beginnt — und zwar in dem Takt, in dem die Gegenstation zuhört, nicht in dem, in dem sie sendet.

Zeitstrahl eines FT8-Durchgangs von 15 Sekunden: Aussendung ab 0,5 Sekunden, 12,6 Sekunden lang; die Station entscheidet in den ersten 1,5 Sekunden
Was man am Bildschirm im Gefühl hat, muss eine Station ausrechnen: in welchem Takt, und bis wann.

Am Bildschirm erledigt WSJT-X das im Hintergrund. Eine Station, die das selbst tut, muss jeden dieser Punkte wissen — und an jedem kann es still schiefgehen. Ein Aufruf eine Sekunde zu spät kommt verschoben bei der Gegenstation an; zwei, drei Sekunden zu spät, und er ist verschwendete Sendezeit.

Die Uhr ist bei FT8 kein Detail: Sie sollte auf deutlich unter eine Sekunde genau gehen. Liegt sie weiter daneben, kommt man verschoben an und hört andere verschoben — beides kostet Decodes. Wer ohne Internet funkt, fährt mit einem GPS-Empfänger als Zeitquelle am besten.

Senden ist der kleinere Teil

Das Abwickeln eines QSOs war an einem Tag erledigt. Alles andere dauerte ein Vielfaches: Steht der Transceiver überhaupt auf einer FT8-Frequenz? Kann die Antenne dieses Band? Ist die Uhr synchron? Darf diese Lizenzklasse auf diesem Band mit dieser Leistung senden? Stimmt die Anpassung? Hat jemand am Gerät gedreht?

Sieben Prüfungen vor jedem Sendedurchgang: Uhr, Frequenz, Antenne, Lizenz, Anpassung, Aussteuerung, Handbedienung
Zweimal je Minute, bei jedem Durchgang neu. Fällt eine Prüfung durch, bleibt der Sender aus.

Jede dieser Fragen muss vor jedem einzelnen Durchgang beantwortet sein — auch dann, wenn die Messung gerade nicht verfügbar ist. Der eigentliche Aufwand einer Station, die für den Operator klickt, liegt nicht im Funkbetrieb, sondern darin, ihn im richtigen Moment zu unterlassen.

Geraten sieht aus wie recherchiert

Der teuerste Irrtum dieser Wochen steckte nicht in der Technik, sondern in einer Tabelle — der Liste, welche Lizenzklasse im Ausland funken darf.

„Klasse E ist nirgends CEPT-anerkannt.“ So stand es da. Das ist falsch: Klasse E ist CEPT-Novice nach ECC/REC (05)06 und darf in 23 Ländern funken. Die Angabe war nicht nachgeschlagen, sondern plausibel geraten — und sie sperrte DO3XR wochenlang ohne jeden Grund vom Auslandsbetrieb aus.

Die Korrektur brauchte eine richtige Recherche: 44 Einträge aus CEPT T/R 61-01 und ECC/REC (05)06, gegengeprüft an der Zusammenstellung der ARRL für reisende Funkamateure. Seitdem gilt bei Recht, Lizenz und Sicherheit: Primärquelle oder gar nichts.

Wer mit Klasse E ins Ausland will, sollte nicht auf Merksätze vertrauen, sondern ECC/REC (05)06 und die Liste der umsetzenden Länder selbst lesen. Und eine offene Lücke ist besser als eine gefüllte: Eine geratene Angabe sieht im Nachhinein genauso aus wie eine recherchierte.

Totes Band oder tote Leitung?

Wer die Station nebenher vom Handy aus im Blick behält, hat ein eigenes Problem: Stillstand sieht aus wie Ruhe. Wenn eine halbe Stunde lang nichts decodiert wird — liegt das am Band, oder ist die Tonverbindung zum Funkgerät abgerissen?

Der Unterschied lässt sich hören. Ein totes Band rauscht; eine abgerissene Verbindung ist digital still, der Pegel fällt auf null. Die Station prüft deshalb nicht nur, ob Decodes kommen, sondern ob überhaupt noch ein Rauschen anliegt. Erst damit wird aus „nichts los“ eine brauchbare Meldung.

Wie viel dieser Gedanke wert ist, zeigte sich vier Monate später von der anderen Seite: Da blieb der Pegel völlig normal, und trotzdem kamen nur noch halb so viele Decodes an. Die Geschichte dazu steht in Teil 6.

Was am Ende der Woche stand

Eine Station, die CQ ruft, Anrufe beantwortet, QSOs zu Ende führt, sie ins Logbuch schreibt, auf ihre eigenen Grenzen achtet und sich vom Handy aus bedienen lässt. FT8 und FT4, zwei Rufzeichen, zwei Lizenzklassen.

Das Logbuch der Station mit geführten Verbindungen
Das Ergebnis der ersten Woche: ein Logbuch, das sich füllt — und im Hintergrund an QRZ.com und Club Log weitergereicht wird.

Was sie nicht hatte: irgendeine Vorstellung davon, ob ihre Entscheidungen gut waren. Sie rief an, wen sie für richtig hielt, und niemand wusste, ob das stimmte. Das kam als Nächstes.

Weiter mit Teil 2 · Juni: Warum wir alles aufschreiben.