Teil 3 · September: Was die Zahlen sagen
Im September wurde die Aufzeichnung zum ersten Mal ernsthaft ausgewertet — damals mit rund 300 Anrufen, inzwischen mit 6742. Was dabei herauskam, war unbequem: Die wichtigste Erkenntnis stellte auf den Kopf, woran zu arbeiten sich überhaupt lohnt. Und eine Zahl aus der ersten Auswertung hielt den größeren Zahlen nicht stand.
Die wichtigste Zahl: Antwortet sie überhaupt?
Das klingt banal, hat aber eine unangenehme Folge. Wir hatten wochenlang daran gearbeitet, angefangene QSOs sauber zu Ende zu bringen — und das hat sich gelohnt. Nur betrifft es den kleineren Teil. Der Verlust liegt fast vollständig davor: bei der Frage, wen man anruft und ob der uns überhaupt hört.
Wer nach sechs leeren Durchgängen, also anderthalb Minuten, aufgibt, verliert nur noch etwa jedes zwanzigste QSO, das noch gekommen wäre. Wer schon nach zwei aufgibt, verliert jedes dritte. Bei uns sitzt die Grenze deshalb bei sechs Durchgängen.
Entfernung: der erste Sprung trägt am besten
Dass ferne Stationen schwerer zu arbeiten sind, überrascht niemanden. Der günstigste Bereich ist der erste saubere Sprung über die Ionosphäre — das steht so in jedem Lehrbuch, und es an den eigenen Verbindungen bestätigt zu sehen, ist trotzdem schön.
Die tote Zone war kleiner als gedacht. In der ersten Auswertung mit rund 300 Anrufen schnitt der Nahbereich unter 1000 km fast so schlecht ab wie das ferne DX: 9 %. Wir hatten das mit der toten Zone auf 20 m erklärt — zu weit für die Bodenwelle, zu nah für den Sprung. Mit 6742 Anrufen sind es 20 %. Die tote Zone gibt es, aber sie ist flacher. Die 9 % beruhten auf 44 Anrufen, und das ist genau die Sorte Zahl, vor der Teil 2 warnt.
Hat sie uns schon gehört?
FT8-Verbindungen sind oft ungleich. Eine große Antenne in ruhiger Lage hört uns mühelos, während wir sie kaum aus dem Rauschen holen — und umgekehrt. Die eigene Signalstärke sagt also nur, wie gut wir hören, nicht, ob wir gehört werden. PSK Reporter weiß es manchmal: Steht dort in den letzten Minuten ein Bericht der Gegenstation über unser Rufzeichen, ist der Weg belegt.
Vor einem Anruf auf eine seltene oder schwache Station lohnt ein Blick zu PSK Reporter: Hat sie mich in der letzten halben Stunde gehört? Wenn ja, stehen die Chancen deutlich besser. Wenn keine Angabe da ist, heißt das nichts — viele Stationen melden gar nicht an PSK Reporter.
Wer eher antwortet
Die Station, die schon im Logbuch steht, ist die sicherste Wahl — der Weg zu ihr ist belegt, ihre Antenne zeigt offenbar in eine brauchbare Richtung. Ein neues DXCC-Gebiet ist das Gegenteil: 15 QSOs aus 243 Anrufen. Beides hat seinen Wert. Nur sollte man wissen, dass ein Abend auf der Jagd nach neuen Ländern ein Abend mit wenigen QSOs ist.
Die Feinsortierung entscheidet selten
Wir hatten eine ausgefeilte Rangfolge aus rund zwanzig Auswahlkriterien gebaut — Pile-up, Seltenheit, Tageszeit, Grayline, Empfangsbeleg. Dann haben wir nachgesehen, wie oft sie überhaupt etwas zu entscheiden hat: In den meisten Durchgängen stand genau ein brauchbarer Rufer zur Wahl. Wo es eine echte Auswahl gab, wirkte die Rangfolge deutlich. Sie kam nur selten zum Zug.
Was dagegen bei jedem Durchgang wirkt, sind die schlichten Entscheidungen: anrufen oder nicht, weitermachen oder aufgeben. Das deckt sich mit dem, was erfahrene Operatoren sagen: Es ist selten die raffinierte Auswahl. Es ist, nicht auf Stationen zu warten, die einen nicht hören, und ein QSO auch dann zu Ende zu bringen, wenn die Gegenstation vom Drehbuch abweicht. Wie viel Auswahl man hat, hängt übrigens vor allem am eigenen Empfänger — das haben wir erst Ende September gemerkt, siehe Teil 6.
Besser hören: von 73 auf 98 Prozent
Alle Auswahlregeln nützen nichts, wenn eine Station gar nicht erst erscheint.
Der größte Schritt kam aus einem Verfahren, das jeder Pile-up-Jäger intuitiv kennt: Ein starkes Signal deckt schwache Stationen daneben zu. Die Station baut das starke Signal nach und zieht es aus der Aufnahme ab — danach werden Stationen lesbar, die 20 bis 30 Hz daneben lagen.
Und dann die Fehler — alle von derselben Art
Die Auswertung förderte auch eigene Fehler zutage, und bemerkenswert war, dass sie alle dieselbe Form hatten: Eine Regel war einmal richtig, dann änderte sich etwas anderes, und die Regel arbeitete unverändert weiter.
- Die Wunschliste erreichte die Auswahl nicht. Sie wurde befüllt und für Push-Meldungen ausgewertet — nur beim Anrufen las sie niemand. Dazu kam: Seltenes DX ist schwach und umlagert, also griffen bei genau diesen Stationen alle Sparregeln gleichzeitig. Über sieben Tage rief eine Station aus dem Kosovo 16-mal CQ — kein einziger Anrufversuch.
- Sechzehn Stationen warteten vergeblich. Wer vom erwarteten Ablauf abwich, wurde stillschweigend fallen gelassen. Eine Station wiederholte ihre Bestätigung 186-mal. In unserem Protokoll stand „Gegenstation verstummt“ — geschwiegen hatten wir.
Was inzwischen beantwortet ist
Am Ende dieser Auswertung stand eine offene Frage: Wenn nur eine einzige, schwache Station zu hören ist — lohnt der Anruf, oder ist ein eigener CQ-Ruf besser? Zwei Wochen im Wechsel ergaben: kein messbarer Unterschied, 176 gegen 185 QSOs. Ebenso bei einer ganzen Reihe von „Lohnt sich das?“-Regeln, die wir gegen einen Vergleichsbetrieb ohne sie laufen ließen: Zusammen brachten sie nichts und kosteten nichts. Auch das ist ein Ergebnis — es erspart die Arbeit, weiter an ihnen zu feilen.