Seit heute zeigt die Station, was sie tut: eine Karte mit den Verbindungen der letzten Tage, wer uns gerade wo empfängt, die Zahlen des Tages. Dazu die eingegangenen QSL-Karten. Das Anzeigen war dabei der kleinere Teil. Die eigentlichen Entscheidungen lagen davor: welchen Weg die Daten nehmen, was davon hinausgeht — und was nicht.

Teil 5 von 5 — die Entwicklung von Mai bis September. Vorher: Teil 1 · Mai, Teil 2 · Juni, Teil 3 · September und Teil 4 · 12. September. Was die Station heute kann, steht in FT8 ohne Bildschirm. Die Station wird besetzt betrieben — ein Funkamateur beaufsichtigt sie und kann sie jederzeit anhalten; zum rechtlichen Rahmen siehe den Abschnitt im Hauptartikel.

Der Pi bleibt zu

Die naheliegende Lösung wäre gewesen, die Station selbst ins Netz zu stellen: ein Port auf, eine Schnittstelle veröffentlichen, fertig. Genau das wollten wir nicht. Am Transceiver hängt ein Gerät, das senden kann; jeder offene Zugang dorthin ist ein Weg, den jemand gehen kann.

Es geht auch andersherum. Der Webserver, auf dem diese Seite läuft, hängt im selben privaten Netzwerk wie der Raspberry Pi — nicht über das offene Internet, sondern über einen verschlüsselten Tunnel, den beide Geräte von sich aus aufbauen. Von dort erreicht der Webserver die Station in rund 150 Millisekunden. Er holt sich also die Zahlen, statt dass die Station sie ausliefert.

Der Unterschied ist erheblich. Der Pi hat weiterhin keinen offenen Port ins Internet. Was ein Besucher dieser Seite sieht, sind Dateien auf dem Webserver — kein Dienst, keine Datenbank, nichts, was abstürzen kann, während jemand die Seite aufruft. Und wenn die Station einmal nicht antwortet, wird schlicht nichts geschrieben: Die vorhandenen Dateien bleiben liegen und tragen ihren Zeitstempel. Die Seite zeigt dann den letzten bekannten Stand, grau und mit Datum, statt einer Fehlermeldung.

Was nicht hinausgeht

Die Station kennt ihren Standort auf sieben Nachkommastellen genau — der GPS-Empfänger liefert das frei Haus. So genau muss er nicht im Netz stehen. Was hinausgeht, ist die Mitte des Maidenhead-Feldes, also rund fünfzig Kilometer daneben. Wer den Standort einer deutschen Amateurfunkstelle wissen will, findet ihn ohnehin in der Rufzeichenliste der Bundesnetzagentur; das ist ein Unterschied zu einer Koordinate, die auf den Meter genau im Netz steht.

Ähnlich beim Gerätestatus. Die Station weiß eine Menge über sich selbst: Audiopegel, Regelzustände, Aktualisierungsstände, die Position des GPS-Empfängers. Auf einer Stationsseite hat davon nichts zu suchen. Hinaus geht nur, was ausdrücklich aufgezählt ist — Band, Frequenz, Leistung, Stehwellenverhältnis. Alles andere bleibt, wo es ist.

Die dritte Entscheidung war die unbequemste: die Rufzeichen der Gegenstationen. Aus dem Amateurfunkrecht spricht nichts dagegen. Es gibt weder eine Logbuchpflicht noch ein Gebot, Verbindungsdaten vertraulich zu behandeln; die Amateurfunkverordnung verlangt im Gegenteil offene, unverschlüsselte Sprache. Das Abhörverbot im Telekommunikationsrecht nennt Funkamateure sogar ausdrücklich als Ausnahme, und dessen Weitergabeverbot greift für sie erklärtermaßen nicht. Was das Datenschutzrecht daraus macht, ist eine andere Frage — und eine, die ein Jurist beantworten muss, nicht ein Funkamateur.

Deshalb ist die Anzeige der Rufzeichen ein Schalter. Wird er umgelegt, bleiben Punkte auf der Karte und Zahlen in den Kacheln; die Seite funktioniert unverändert weiter. Eine Entscheidung, die man zurücknehmen kann, ohne etwas neu zu bauen, ist keine halbe Entscheidung — sie ist die einzige Art, so etwas zu bauen, solange die Rechtslage nicht abschließend geklärt ist.

Warum die Karte so schlicht aussieht

In der Datenschutzerklärung dieser Seite steht ein Satz, der beim Bauen unbequem wurde: Es werden keine externen Dienste eingebunden, insbesondere keine Kartendienste. Genau deshalb kommt die Seite ohne Cookie-Banner aus — und genau deshalb liegt die Weltkarte als handgezeichneter Umriss bei, 2,6 Kilobyte, sechs Landmassen. Keine Kacheln von einem Kartenserver, keine Schriften von außen. Das ist nicht die schönste Karte der Welt, aber sie kostet keinen Besucher etwas.

Die Funkwege darauf sind gekrümmt, und das ist keine Verzierung. Der kürzeste Weg zwischen zwei Punkten auf der Erdkugel ist ein Großkreis; auf einer flach ausgebreiteten Weltkarte wird daraus eine Kurve. Eine gerade Linie von Weissenhorn nach Japan wäre die falsche Aussage — und auf 20 m sieht man den Unterschied sofort, wenn im Winter die Wege über den Pol laufen.

Und der Papierkram

Bestätigungen gehen inzwischen von selbst zu eQSL und zum Logbook of the World. Das spart jede Woche eine Stunde, und vermisst hat diese Stunde noch niemand. Die Gegenrichtung, also die Karten, die andere uns schicken, liegt jetzt ebenfalls hier: eine Galerie der eingegangenen Bestätigungen, je Station eine. Die älteste bestätigte Verbindung stammt von 1976.

Was die Seite jetzt zeigt

Der Zustand der Station — ob sie CQ ruft, in einer Verbindung steckt oder mithört — mit Frequenz, Band, Leistung und Stehwellenverhältnis. Eine Weltkarte mit allem, was in den letzten Tagen gearbeitet oder gehört wurde; sie lässt sich zoomen, nach Kontinenten springen und mit zwei Fingern aufziehen. Wer einen Punkt antippt, bekommt Rufzeichen, Band, Entfernung und Zeitpunkt; die Entfernung rechnet dabei der Browser aus den Koordinaten.

Dazu die Zahlen des Tages, die weiteste Verbindung, und — für uns die interessanteste Kachel — wer uns gerade hört. Das sind Empfangsberichte fremder Stationen über unser eigenes Signal, nach Ländern sortiert. Es ist die einzige direkte Auskunft darüber, ob man irgendwo ankommt; bei eigenen Decodes kennt man die Sendeleistung der Gegenseite nicht.

Warum dort Zahlen stehen, denen man trauen kann

Auf der Stationsseite steht, wie viele Verbindungen der Tag gebracht hat. Das ist eine harmlose Zahl — bis man sie benutzt, um eine Regel zu beurteilen. Genau daran wäre in diesen Tagen beinahe eine Lieblingsidee gescheitert, und zwar auf lehrreiche Weise.

Die Idee war hübsch: Statt einer Kette von Filtern — zu schwach, verwirf; kein Empfangsbeleg, verwirf; Pile-up, verwirf — bekommt jedes Ziel eine Zahl. Die geschätzte Erfolgswahrscheinlichkeit, aus der eigenen Historie gelernt, multipliziert mit dem Wert der Verbindung: ein neues Land zählt mehr als der Nachbarort. Angerufen wird, wo das Produkt den Ertrag eines CQ-Rufs übersteigt. Eine einzige Zahl statt sieben Sonderregeln, und jede davon nachvollziehbar.

Das Modell lief zwei Tage im Vergleichsversuch gegen die bestehende Filterkette, jede Viertelstunde abwechselnd. Dann stand das Ergebnis: 1,82 gegen 2,66 Verbindungen je Stunde. Das Modell verlor deutlich.

Der naheliegende Einwand dagegen lautet: Natürlich verliert es, wenn man in Verbindungen je Stunde misst — es stellt ja absichtlich den Wert über die Anzahl. Also haben wir auch das gerechnet, mit denselben Wertfaktoren, die das Modell selbst benutzt. Auch dort lag es hinten, 2,28 gegen 3,16. Der Einwand trägt nicht.

Interessant war die Ursache. Die Wahrscheinlichkeitstabelle selbst war gut kalibriert — wo sie zehn bis zwanzig Prozent vorhersagte, traten 15,1 Prozent ein. Das Problem lagen eine Ebene höher: Die Wertfaktoren hoben unwahrscheinliche Ziele über wahrscheinliche. Zwanzig Anrufe gingen an Ziele mit dreifachem Wert und im Mittel 9,5 Prozent Erfolgsaussicht. Einer kam durch. In derselben Zeit hätte die Filterkette mehrere sichere Verbindungen gemacht.

Das Modell ist seit dem 15. September abgeschaltet. Die Tabelle bleibt liegen, sie ist ja brauchbar; wer es erneut versucht, muss zuerst die Wertfaktoren deutlich senken. Der Eintrag im Regelregister trägt seither den Befund samt Datum — damit in einem halben Jahr niemand dieselbe schöne Idee noch einmal als neu verkauft.

Und genau deshalb steht hinter jeder Zahl auf der Stationsseite ein Vergleichsversuch. Ein Teil der Zeit läuft die Station ohne die Regeln, die entscheiden, ob ein Anruf sich lohnt. Das kostet ein paar Verbindungen am Tag — und ist die einzige Möglichkeit, jemals zu erfahren, ob diese Regeln ihr Geld wert sind. Eine Regel, die wirkt, verhindert sonst ihre eigene Überprüfung: Was sie verwirft, wird nie angerufen, also erfährt man nie, was daraus geworden wäre.

Was offen ist

Die Rechtsfrage zur Anzeige fremder Rufzeichen ist nicht abschließend geklärt, nur abgewogen — der Schalter dafür ist der Grund, warum das kein Problem ist. Die QSL-Galerie und die Stationsseite sind für Suchmaschinen gesperrt; sie sind für Besucher gedacht, die den Weg kennen, nicht für den Index.

Und die Kartengalerie füllt sich noch. Sie wächst mit jeder Bestätigung, die hereinkommt.

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