Am 2. Oktober um 09:28 Uhr ging die letzte Aussendung an eine irische Station hinaus. Eine Sekunde danach war der IC-7300 verschwunden — Steuerung und Ton zugleich, ohne Fehlermeldung, ohne Vorwarnung. Acht Tage lang blieb die Station still. Dann kam ein Ersatzgerät, gleiches Modell, und mit ihm eine Lektion, die Teil 6 schon einmal erteilt hatte: Ein Transceiver kann am Empfang sparen, ohne dass es eine Anzeige verrät.

Die Station wird besetzt betrieben: Ein Funkamateur beaufsichtigt sie und kann sie jederzeit anhalten. Zum rechtlichen Rahmen siehe den Überblick.

fast halbso viele Decodes ohne AGC wie mit langsamer AGC
+23 %Decodes mit langsamer statt schneller AGC
kein Gewinndurch den eingebauten Tuner am passenden Dipol

Ein Gerät fällt beim Umschalten aus

Der Ausfall kam im ungünstigsten Moment, den ein Netzteil kennt: am Ende einer Aussendung, wenn der Senderstrom schlagartig wegfällt. DK9XR fand später ein Netzteil vor, das nach seiner Beobachtung 24 statt 12 Volt lieferte. Der Zeitpunkt passt dazu. Belegen ließ es sich nicht: Die Station zeichnete bis dahin fast alles auf, was im Funkbetrieb passiert — nur nicht die Spannung, mit der das Gerät lief.

Das hat sich geändert. Der IC-7300 meldet über das USB-Kabel dieselben Werte, die man an seiner Messanzeige als Vd und Id sieht, und die Station schreibt sie jetzt mit, Empfang und Senden getrennt. Seit dem 10. Oktober steht das Ersatzgerät beim Empfangen bei 14,1 Volt und beim Senden bei 13,3 Volt mit gut 11 Ampere. Weicht das ab, geht eine Meldung aufs Handy.

Ein Netzteil prüft man unter Last, nicht im Leerlauf. Der IC-7300 zeigt Vd und Id im Messinstrument an; wer beim Senden kurz umschaltet, sieht, wie weit die Spannung einbricht. Ein paar Zehntel Volt sind normal. Ein Einbruch, der mit der Zeit größer wird, deutet auf ein alterndes Netzteil oder einen schlechten Übergang im Kabel — lange bevor etwas kaputtgeht.

Das Ersatzgerät hörte ohne AGC

Ein Gerät gleichen Typs anzuschließen ist schnell erledigt. Was darin eingestellt ist, sieht man nicht auf einen Blick. Beim Durchsehen fiel auf: Die schnelle AGC-Stufe des Ersatzgeräts hatte die Zeitkonstante null. Beim IC-7300 heißt das, die AGC ist aus. Einen eigenen Knopf dafür gibt es nicht; „aus“ versteckt sich im Menü hinter einer der drei Stufen.

Ist das schlimm? Die Quellen sind sich nicht einig. Das Handbuch von WSJT-X empfiehlt, die AGC abzuschalten oder die HF-Verstärkung zurückzunehmen. Gordon Hinson, ZL2IFB, rät in seinem verbreiteten FT8-Leitfaden zur langsamen AGC. Statt uns für eine Meinung zu entscheiden, haben wir gemessen: vier Tage lang alle 15 Minuten umgeschaltet zwischen schnell, langsam und aus, und je Viertelstunde die Decodes gezählt.

Decodes je Viertelstunde: AGC langsam 891, schnell 722, aus 471
Ohne AGC kam fast die Hälfte weniger an. Die langsame Stufe lag knapp, aber über der vorher festgelegten Schwelle vor der schnellen.

Das Ergebnis ist deutlich: Ohne AGC decodierte die Station 471 Signale je Viertelstunde, mit langsamer AGC 891. Die schnelle Stufe lag mit 722 dazwischen. Eine Einschränkung gehört dazu: Wir haben die HF-Verstärkung immer voll aufgedreht gelassen. Das Rezept aus dem WSJT-X-Handbuch — AGC aus, dafür HF-Verstärkung zurück — haben wir also nicht getestet, sondern nur die Hälfte davon. Genau diese Hälfte aber ist es, die ein vergessener Menüeintrag hinterlässt.

Seit dem 14. Oktober stellt die Station die langsame AGC selbst ein, sobald jemand sie im Datenbetrieb verstellt — so wie schon Rauschunterdrückung und Störaustaster.

Wer ein gebrauchtes, geliehenes oder frisch repariertes Gerät übernimmt, sollte die AGC-Zeitkonstanten aller drei Stufen im Menü ansehen, nicht nur, welche Stufe gerade gewählt ist. Für FT8 hat bei uns die langsame Stufe am meisten gebracht. Und wer der Empfehlung „AGC aus“ folgt, sollte auch den zweiten Teil umsetzen und die HF-Verstärkung zurücknehmen.

Der Tuner bringt am Dipol nichts

Am alten Gerät war der eingebaute Antennentuner eingeschaltet, am Ersatzgerät nicht. Und seit dem Tausch meldeten weniger Stationen, dass sie uns hören. Lag es am Tuner? Wieder alle 15 Minuten umgeschaltet, diesmal gezählt: wie viele verschiedene Stationen uns je Viertelstunde bei PSK Reporter meldeten.

Hörer je Viertelstunde: Tuner aus 78, Tuner an 62
Mit Tuner hörten uns nicht mehr Stationen, eher weniger — der Unterschied liegt im Bereich des Zufalls. Die Signalstärke bei den Hörern war gleich.

Mit Tuner waren es 62 Hörer je Viertelstunde, ohne 78. Für einen echten Nachteil reicht die Streuung nicht, für einen Vorteil schon gar nicht. Gemeldet wurden wir in beiden Fällen mit −13 dB. Das ist auch zu erwarten: Ein Tuner verändert nicht die Antenne, er gaukelt der Endstufe eine passende Last vor. Passt die Antenne bereits, gibt es nichts zu verbessern. Der Tuner bleibt aus — und damit sieht der SWR-Wächter wieder die Antenne selbst und nicht nur, was der Tuner aus ihr macht (siehe Teil 4).

Die geringeren Hörerzahlen haben vermutlich einen schlichteren Grund: Auf Wunsch von DK9XR läuft das Ersatzgerät mit weniger Leistung: eingestellt sind 48 statt vorher 70 Prozent, am Ausgang rund 40 Watt. Gemessen ist das nicht; dafür bräuchte es wieder einen Wechsel im Viertelstundentakt.

Ein Tuner hilft dem Sender, nicht der Antenne. Wer am passenden Dipol funkt, gewinnt durch ihn nichts und verliert den Blick auf das echte Stehwellenverhältnis. Ob ein Tuner, eine Einstellung oder eine Antenne etwas bringt, zeigt erst der abwechselnde Vergleich — ein einzelner guter oder schlechter Abend misst vor allem das Band.

Was als Nächstes kommt

Das Ersatzgerät läuft, seit dem 10. Oktober sind über 300 QSOs ins Log gegangen. In der Firma von DK9XR wartet ein IC-7300MK2 auf die reparierte Richtantenne. Für deren Rotor ist eine Nachführung geplant, die die Antenne zur gerufenen Station dreht. Dann wird sich zeigen, was von den Zahlen dieser Reihe am Dipol lag — und wir werden die Einstellungen am neuen Gerät von Anfang an nachsehen, nicht erst, wenn der Empfang einbricht.

Fragen, Ideen oder Interesse am Nachbau: über das Impressum oder direkt über die Projektseite.